Vergleich von Fettleibigkeit der Menschen und dicken Mäusen!
20.04.09 / Wissen / Author: admin
Seit mindestens 20 Jahren wurden so genannte Parabiose-Experimente, bei denen zwei Mäuse wie Siamesische Zwillinge miteinander verbunden werden, in Deutschland nicht mehr durchgeführt. An der Medizinischen Hochschule Hannover wurden solche Versuche jetzt genehmigt. Jeweils zwei Mäuse werden an der Seite zusammengenäht. Ein Rückfall ins Mittelalter.
Parabiose-Experimente waren bis in die 60er Jahre üblich. Sie wurden vor allem zur Erforschung der Fettleibigkeit verwendet. Eine genetisch veränderte, übergewichtige Maus wurde mit einer normalen Maus vernäht. Die dicke Maus fraß nun weniger und wurde dünn. Man fand eine Art Sättigungsfaktor, das Hormon Leptin, das bei Mäusen die Nahrungsaufnahme regelt. Damit glaubte man, den Schlüssel zur Behandlung der Adipositas in der Hand zu haben. Doch beim Menschen funktionierte der Schlankmacher mal wieder nicht. Das medizinische Wissen wurde lediglich um einen kleinen Mosaikstein erweitert, der aber keinerlei praktischen Nutzen hat. Die Ursachen der Fettleibigkeit beim Menschen sind offensichtlich wesentlich komplexer als bei der Maus. Psychosoziale, kulturelle und familiäre Faktoren spielen die entscheidende Rolle.
Erst kürzlich konnte eine epidemiologische Studie der Harvard Medical School, Boston, und der University of California, San Diego, zeigen, dass Fettleibigkeit ansteckend ist. Dicke Personen im Freundeskreis ändern die Normen für das eigene Gewicht. Solche sozialen Faktoren können wie immer in der tierexperimentellen Forschung überhaupt nicht berücksichtigt werden, schließlich kann man das soziae Leben von Mäusen und Menschen nicht gleichsetzten!

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